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Ich tausche das hier mal gegen eine lesbarere Version aus. Der Text war ursprünglich für meinen Exfreund bestimmt, aber er hatte nie Intresse daran ihn zu lesen. Ich begann, nachdem er mich das erste Mal zum Essen einladen wollte. Schon auf dem Hinweg war mir mulmig zu Mute. Es war viel zu früh für mich, erst mittags und ich hatte natürlich keinen Hunger, aber ich wollte ihm diesen Gefallen tun. Im Restaurant bekamen wir dann auch sofort eine Speisekarte und ich war total überfordert. Da stand so viel drauf, aber nichts was man morgens mal eben so essen könnte. Keine sicheren Lebensmittel, alles mit Sahnesoße oder mit Käse überbacken. Die Bedienung kam ständig und fragte ob wir schon bestellen wollten. Er wollte mir nur helfen, denk ich, aber seine Ratschläge machten es noch schlimmer. Es sei doch nur Essen. Dann fing ich an zu heulen, ich hielt dem Druck einfach nicht stand. Schließlich wählte er für mich und ich aß. Ein Drittel der Portion habe ich geschafft und mich dann den Rest des Tages mit dem ekligen Gefühl im Körper gewunden und nur versucht nicht zu erbrechen.

 

Stumme Schreie

 

 

 

Ich kann deinen Blick nicht vergessen, mit dem du mich angesehen hast, es tat mir so weh und ich wollte so gern etwas essen, nur damit du nicht mehr so guckst, aber es wollte einfach nicht. Deshalb die Tränen. Es tut mir so Leid. Ich will dir das nicht antun.

Jetzt gerade nach diesem parallel Gespräch zwischen deiner Ex und dir und uns, denk ich nur – Oh Gott, schon wieder hast du da so einen kaputten Menschen, dabei hast du das gar nicht verdient. Ich würde so gern einfach normal für dich sein, doch ich weiß nicht wie. Meine Gedanken sind wahrscheinlich überhaupt nicht nachvollziehbar für dich und deshalb sagst du diese Sachen die bei uns im Forum auf der roten Liste stehen. Ich wünsche mir so sehr, dass du es irgendwann verstehen kannst, vielleicht nur ein kleines bisschen, einfach genug damit ich mich nicht mehr so schrecklich für mich schäme. Ich will jetzt versuchen zu erklären, was irgendwie erklärbar ist und hoffe du kommst klar und ich mache dir jetzt nicht mehr Angst als nötig.

 

 

Das Essen

 

Ich fang gleich mit dem Schwierigsten an, weil es hoffentlich das einzige ist, dem du begegnen musst. Du möchtest, dass ich zurück finde, in die Normalität und glaub mir ich möchte das auch. Ich hasse diesen Kampf, jeden Tag. Über den Büchern zu sitzen und nicht lernen zu können, weil der Gedanke ans Essen mich quält. Wie es ist sich im eigenen Körper nicht wohl zu fühlen, kennst du doch. Jetzt stell es dir einfach noch schlimmer vor.

Ich beschäftige mich seit langem damit, wie Essstörungen entstehen und jede im Forum hat ihre eigene Geschichte. Ich denke meine Essstörung ist mir anerzogen worden, zumindest ihr Ursprung. Als ich klein war, war ich unter der Woche immer bei meinen Großeltern, weil meine Mutter arbeiten musste und nur die Wochenenden war ich bei ihr. Von meiner Oma hab ich ja schon öfter erzählt, sie meint es sicherlich nicht böse, sie ist einfach nur krank. Ihr fehlt der Bezug zur Realität, sie lebt in einer Art Parallelwelt. Ich weiß nicht wie ich es beschreiben soll, ein bisschen 50iger-Jahre vielleicht, nur spießiger, ein bisschen verkorkster Adel, ein bisschen Dramaqueen. Es geht immer nur darum was die Nachbarn denken, was man nach außen hin repräsentiert. Mein Kommunionskleid hat mehr gekostet als vieler Frauen Brautkleider und ich wollte es noch nicht mal haben. Es ging immer um Perfektion, aber natürlich nur unterschwellig. Ich sollte immer hübsch aussehen, wurde in edelste Klamotten gepackt, sollte ein Instrument erfolgreich spielen, in einem Orchester oder so, sollte im Sport gut sein und in wenigstens einer Sportart auch Medallien holen und natürlich eine super Schülerin, brav und fleißig. In der Kirche hätte ich aktiv sein sollen und bei noch so vielen anderen Dingen. Alles in allem ist das vielleicht die Beschreibung von Supergirl, aber nicht von einer Siebenjährigen. Ich war das jedenfalls alles nicht und so wuchs der Ärger nicht zu genügen. Vom Essen hat meine Oma ähnlich ideale Vorstellungen und gleichzeitig glaubt sie nur, was ihr gerade in den Kram passt. Allerdings ist das in den letzten Jahren auch noch mal schlimmer geworden. Perfekterweise jedenfalls frühstückt das perfekte Kind morgens Kakao und Müsli, übrigens mag ich gar keinen Kakao, aber was ich mochte und was nicht, spielte wohl keine besonders übergeordnete Rolle. Das perfekte Kind nimmt ein Brot und einen Apfel mit in die Schule, das ich auf dem Brot nur Käse mag wurde so gerade eben toleriert, dass ich allerdings keine Äpfel esse, gab oft riesen Ärger. Mittags gibt es ganz klassisch Fleisch, manchmal stattdessen Fisch, Gemüse und eine Kohlenhydrat-Beilage, danach immer Nachtisch, meistes Joghurt. Selbstverständlich wird gegessen was auf den Tisch kommt. Um drei Uhr nachmittags gibt es dann etwas Süßen, oft ein Stück Kuchen oder ein Teilchen, aber nur eins. Zum Abendbrot gibt es Brot mit Aufschnitt, manchmal eine Suppe. Außerhalb dessen wird nicht gegessen und getrunken wird auch nur in der Küche am Tisch und auch nur Wasser und Apfelschorle. Das schlimmste waren aber meine Kindergeburtstage. Die meisten Kinder dürfen an ihrem Geburtstag ja essen was sie wollen und so viel sie wollen. Passiert ja auch nichts schlimmes, man hat ja nur einmal Geburtstag. An meinem Geburtstag gab es immer Pumuckel-Torte, das ist eine Schokoladen-Torte von bofrost, die übrigens absolut eklig schmeckt, ich mag nämlich keinen Schoko-Kuchen. Alle meine Gäste durften soviel sie wollten, ich durfte ein Stück um drei. Es gab auch immer Fanta an meinen Geburtstagen, allerdings durfte ich die nicht trinken.

Meine Mutter war das Gegenteil zu diesem Regelregime. Sie war ja selbst darin groß geworden und wollte mir das unter keinen Umständen antun. Ich kann mich leider nicht an so viel erinnern, ich weiß nur ich durfte immer fernsehen und wir haben immer Pizza und Gyros von der anderen Straßenseite geholt und ich konnte mir selbst von den Süßigkeiten nehmen und sagen was ich essen wollte und das beste: Mama hat es mir vor den Fernseher gebracht. Als ich dann zu meinen Eltern zog wurde mein Essverhalten einseitig, eigentlich nicht verwunderlich plötzlich zählte meine Meinung und ich musste das ja in vollem Unfang auskosten. Zu der Zeit wurde ich schon etwas kräftiger, wobei man sagen muss ich war nie ein zierliches Kind. Ich war ein Kind bei dem man sich keine Sorgen machen brauchte, dass es gleich vom Fleisch fällt wenn es mal krank ist, ich war einfach ganz normal. Dann wurde meine Mutter krank und die Probleme zu Hause wurden spürbar und ich flüchtete mich zu meinen Vertrauten aus glücklichen Stunden, dem Fernseher und dem Essen. Als ich nicht mehr in die Klamotten aus der Kinderabteilung passte, fing meine Mutter an mir Diäten anzuraten. Ich bekam Slimfast, trank das auch brav, nur sobald meine Mutter einen Vorwand brauchte zum Supermarkt zu gehen um sich Alkohol zu kaufen, bot sie mir an etwas Süßes zu holen. Als meine Mutter starb wog ich 80kg, hatte nur noch K. und Nic als Freunde und war komplett überfordert. Inzwischen weiß ich, dass man das Binge Eating nennt, mein Verhalten damals. Noch heute falle ich in dieses Muster zurück, wenn ich in Situationen komme in denen ich mich überfordert fühle und glaube niemanden mehr zu haben. Ein aufkommendes Frust-Gefühl wird in massig Nahrung erstickt, das geschieht Anfall artig, Gegenmaßnahmen bleiben aus.

Nach dem Tod meiner Mutter musste ich gegen meinen Willen mit auf die schon gebuchte Jugendfreizeit nach Spanien. Ich mit 40 anderen Kindern zwischen 12 und 15 in einer Bucht in Nordspanien auf dem Zeltplatz, vom ersten Tag an habe ich keinen Bissen angerührt. Es hat Jahre gedauert bis ich Gesellschaft beim Essen gelernt habe zu ertragen. Damals konnte ich es nicht und die permanente Präsenz Gleichaltriger war mir zu viel. Es waren drei Wochen fast ohne Nahrung, nur mit Cola light, weil meine Mutter mir beigebracht hatte, das Frauen nur Cola light trinken, und es war wohl der Beginn eines Teufelskreises. Als ich zurückkam, erhielt ich die ersten Komplimente für die Gewichtsabnahme, doch zu Hause aß ich schnell wieder wie vorher. Dann passierte das wohl einschneidenste Erlebnis meines Lebens, meine Oma setze sich gegenüber meinem Vater durch, machte mir das Internat schmackhaft und erzählte der Direktorin eine rührende Geschichte, sodass ich trotz Ellen langer Wartelisten kurzfristig aufgenommen wurde. In Internaten muss man in Gesellschaft essen und zwar immer. Nach und nach verweigerte ich mehr Mahlzeiten, zuerst das Frühstück, dann ging ich auch immer weniger zu Mittagessen, das war einfach, denn da viel es kaum auf, da die Externen mitaßen und schließlich drückte ich mich auch meist ums Abendessen. Natürlich haben wir uns oft auf den Zimmern 5-Minuten-Terrine gemacht oder Süßes gegessen, aber meine Mitbewohnerin, die schnell zu meiner neuen besten Freundin wurde, fand sich Mitte des Schuljahres auf einmal zu dick und wollte nur noch gesund essen, da zog ich natürlich mit. Von da ab gab es für mich höchstens mal einen Babybrei auf dem Zimmer. Ein Jahr und 20kg weniger. Ziemlich genau ein Jahr nach dem Tod meiner Mutter, wurde mir bewusst wie viel ich abgenommen hatte, das ich nun schlank war und in normale Kleidung passte, ich bekam überall Komplimente, vor allem natürlich von meiner Familie. Es ist wirklich wie eine Sucht, ich wollte mehr Aufmerksamkeit, mehr Komplimente und dachte das erreiche ich durch mehr Abnahme. In den Sommerferien hatte ich dann mein Tiefstgewicht 55kg. Nach den Ferien ging ich wieder hier zur Schule und musste damit klar kommen, dass ich, da ich ja wieder viel allein war, wieder essen konnte. Ich handhabte es so, das ich nach der Schule ein Stück Schokolade aß, dann schlafen ging und dann ganz normal mit meinem Vater zu Abend gegessen habe. Erst jetzt ist mir bewusst wie kaputt mein Körper da schon gewesen sein muss, denn mit diesem Verhalten hielt ich mein Gewicht.

Das nächste für mein Essverhalten entscheidende Ereignis war der Urlaub mit meiner ersten großen Liebe in England. Wir stritten uns schon in den ersten Tagen wie noch nie zuvor. Streit war, vermutlich durch die Erfahrungen die ich als Kind gemacht habe, immer etwas was ich nicht ertragen konnte. Ich wollte den Streit raus haben aus mir, so begann ich das Essen zu erbrechen. Nach dem Urlaub war die Beziehung kaputt, wir hielten trotzdem noch bis Oktober aneinander fest, danach begann ein für mich grausiges Spiel aus herholen und wegstoßen. Zu dieser Zeit setze sich der Gedanke in mir fest, nicht mehr da sein zu wollen. Außerdem entstand in dieser Zeit mein erstes Ana-Buch, es ist grausiges Dokument einer Selbstzerstörung. Mein zweites ist von Anfang der elften Klasse, 600kcal Tagesdurchschnitt und kaum Abnahme. Meine darauf folgenden nur noch trauriger Beleg für einen kaputten Körper und eine zerbrochene Seele. Damit stehe ich jetzt hier, habe langsam immer weiter zugenommen und komme nicht hin zur Normalität. So ist es, wenn Normalgewicht, einfach nicht normal sein will.

 

 

Depression und SVV

 

Als ich mit diesem Text anfing, hoffte ich, du würdest davon nie viel sehen außer den alten Narben. Ich dachte, ich könnte einfach einmal glücklich sein und wenigstens die Depressionen hinter mir lassen. Doch nun bin ich am absoluten Tiefpunkt.

Ich weiß nicht mehr, ob es überhaupt einen Anfang hatte, so was kommt doch schleichend. Man sagte meiner Oma schon als ich noch sehr klein war, ich sei aber ein ernstes Kind, ich würde schon so erwachsen wirken, gar nicht kindlich. Vermutlich war schon damals etwas in mir zerbrochen. An diesen naiv-kindlichen Glauben, das alles gut wird, das Eltern immer das richtige tun, kann ich mich jedenfalls nicht erinnern. Es war mein Schutz, der Rückzug aus der Realität vor den Fernseher und zum Essen.

Wirklich krankhaft wurde es zu Internat-Zeiten. Ich fühlte mich dort nicht wohl, ich gehörte dort nicht hin und als Reaktion auf das bekam ich Schlafstörungen und Angstattacken. Zwar normalisierte sich das hier wieder, aber irgendetwas blieb doch. Mit 14 habe ich mich das erste Mal verletzt, mit 15 versucht mir das Leben zu nehmen, mit 16 baute ich mir eine Maske als verrücktes Partygirl. Hinter dieser Maske verstecke ich mich heute noch zu gerne. Die Schlafstörungen kommen phasenweise zurück. Im Januar 2010 habe ich mich so schlimm verletzt wie nie zuvor, im Sommer war ich kurz davor mich wieder umbringen zu wollen. Hinter mir lassen konnte ich nichts, es klebt an mir, als dunkler Schatten.

 

Das ist noch nicht alles, ich bin immer noch nicht fertig mit dem Text. Alles aufzuschreiben, greifbar zu machen ist eben verdammt viel. Aber mir hat es schon jetzt geholfen mir über Dinge klar zu werden. Meine Vergangenheit zu akzeptieren und ein Stück weit mit ihr abzuschließen.




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